Malchiner Fahrgastschiff schippert künftig durch Paris
Unternehmer Axel Borchert verkauft die „Veritas“ nach Frankreich
Was war das für Menschenauflauf vor knapp vier Jahren im Malchiner Industriehafen. Trotz lausiger Temperaturen, trotz Sturm und Regen waren am 5. April 2008 hunderte Menschen zur Anlegestelle im Industriegebiet gepilgert, um die Ankunft des Fahrgastschiffes „Veritas“ mitzuerleben. Nach vielen Jahrzehnten hatte Malchin endlich wieder ein eigenes Fahrgastschiff. Nach Weil am Rhein, wo das Schiff zuvor Touristen ins französische Mulhouse und wieder zurück schipperte, sollte das mecklenburgische Malchin für lange Zeit der neue Hafen der „Veritas“ sein. Sollte. Die Ära der Fahrgastschifffahrt in Malchin ist viel eher zu Ende gegangen als es sich Eigentümer Axel Borchert und viele Menschen in der Region vorgestellt und gewünscht hatten. „Veritas“ - das heißt bekanntlich Wahrheit. Und die Wahrheit ist eine traurige. Malchin und die „Veritas“ - das ist Geschichte.
Wie Axel Borchert jetzt mitteilte, hat er das Schiff vor einigen Tagen verkauft. Wer die „Veritas“ vielleicht nochmal wiedersehen will, der muss schon einen ziemlich langen Weg in Kauf nehmen. Fortan ist sie nicht mehr in der mecklenburgischen Provinz sondern auf der Seine in der Weltmetropole Paris unterwegs, schippert nicht mehr an Gravelotte, Aalbude und Kummerow, sondern am Louvre, am Arc de Triumphe oder an Notre Dame vorbei. Aus den Gründen für den Verkauf macht der nunmehr ehemalige Eigentümer Axel Borchert keinen Hehl. „Es ist im Laufe der drei Jahre nicht gelungen, Fahrgastschifffahrt auf dem Kummerower See und auf der Peene wirtschaftlich zu betreiben. Die Touristenströme sind leider nicht so groß, dass man die Kosten für so ein Schiff decken, geschweige denn Gewinne erzielen kann“, sagt der Unternehmer. Als nun auch noch neue Vorschriften kamen, das Schiff um- und nachzurüsten, was wiederum wieder mit erheblichen Kosten verbunden gewesen wäre, habe er sich entschlossen, die „Veritas“ zu verkaufen, so Borchert. Monika Kröger von der Malchiner Stadtinformation findet den Verkauf sehr bedauerlich. „Wir haben versucht Herrn Borchert in der Vergangenheit so gut wie möglich zu unterstützen. Leider gab es nie einen Fahrplan für das Schiff, wurden in erster Linie Charterfahrten angeboten. Ich denke, das war auch nicht immer nur gut fürs Geschäft“, meint die Tourismusexpertin. Mit dem Verkauf der „Veritas“ geht der Stadt Malchin nicht nur ein Hoffnungsträger in Sachen Tourismus verloren, das Standesamt hat nunmehr auch eine Traumöglichkeit weniger. „In den vergangenen Jahren sind auf dem Schiff vier Ehen geschlossen worden, allein im Januar hatten wir zwei Anfragen für Hochzeiten auf dem Schiff. Wirklich sehr schade, dass dies jetzt nicht mehr möglich ist. Trauungen auf dem Wasser, das bekam man schließlich nicht überall geboten“, bedauert auch Standesbeamtin Sigrid Meyer. |